Der antike Briefträger

Fabian Brinkmann ist Masterstudent an der Universität Mannheim und Teilnehmer am Projektseminar Homo Portans. Als Aspekt des tragenden Menschen betrachtet er den antiken Briefträger und seine Bedeutung. Hierbei steht im Mittelpunkt, welche besonderen Voraussetzungen und Auswirkungen solch ein eigentlich simpler Vorgang des Tragens mit sich bringen kann. Fabian Brinkmann ist freier Mitarbeiter bei Museum Live, der Wormser Museumspädagogik.

Marcus Tullius Cicero (106 v. Chr. - 43 v. Chr.) hinterließ zahlreiche Briefe voller Informationen über den Briefverkehr.

Der Briefverkehr des Römischen Reiches unterlag im Laufe der Zeit einigen Änderungen, die zum Teil auch durchaus essentieller Natur waren. Trotzdem erhielt sich ein Kern durch die Zeit hinweg: der Diener als Bote, welcher zu Fuß große Strecken bewältigte um private Nachrichten seines Herren zu überbringen. Dieser Diener und seine Tätigkeit wurde uns leider nicht sonderlich oft überliefert. Zur Zeit der späten römischen Republik gewährt uns Cicero mit seinen Briefen ein herausragend genaues Bild des damaligen Briefverkehrs. In der Kaiserzeit nimmt Plinius der Jüngere diese Stellung ein und letztlich die stark kommunizierenden Kirchenväter, allen voran Paulinus von Nola. In diesen drei Momentaufnahmen gibt es signifikante Unterschiede festzustellen, aber auch Konstanten, die sich nach fünfhundert Jahren Briefverkehr immer noch zu behaupten wissen. Durch die Zeit hindurch bot der Briefverkehr immer wieder Prämissen, die den Ausbruch aus der Selbstverständlichkeit erforderten.

Vertrauen

Einem Boten Informationen in die Hand zu geben erfordert immer das Vertrauen, dass diese Informationen nicht veruntreut werden. Außerordentliche Informationen erfordern also ein außerordentliches Maß an Vertrauen. Zur Zeit Ciceros existierte der Cursus Publicus noch nicht, jenes Botenrelaissystem, welches auf dem Wechsel von Pferden basierend, staatliche Nachrichten sehr schnell beförderte.

Militärische Truppenbewegungen und staatliche Geheiminformationen wurden unter anderem von Briefboten überbracht, die zum spezifischen senatorischen Klientel gehörten. Auch als dieser gewichtige Punkt durch den Cursus Publicus wegfiel, erhielt sich doch die Tatsache, dass Boten Briefe trugen, die persönlichste Gedanken, Wünsche und Sehnsüchte ihres Herrn enthielten. Folglich konnte man nur Boten wählen, die dies zu respektieren wussten, oder selbst involviert waren.

Physisch belastende Faktoren

Unter den gängigen Beförderungsmitteln der Antike stellte sich der Läufer als am effektivsten und ökonomisch sinnvollsten heraus. Da die großen Entfernungen im römischen Reich zum Teil enorme Streckenbewältigungen nötig machten war der Bote körperlich stark gefordert. Entfernungen von mehr als 2000 Kilometern in 1,5 Monaten waren kaum als Seltenheit anzusehen. Die enormen Durchschnittsgeschwindigkeiten wurden nur von militärischen Märschen, in absoluten Notsituationen signifikant überboten.

Der Briefträger kam nicht selten völlig ausgelaugt am Ziel an und musste zunächst vom Briefempfänger beherbergt und gesundgepflegt werden. Aber auch fremde Einflüsse gefährdeten die Unversehrtheit des Trägers: je nach momentaner Stärke der römischen Ordnungsgewalt waren Piraten, wilde Tiere, Räuber und Kriegsgegner Faktoren mit denen man rechnen musste.

Bildung und ihre Kosten

Um sich im römischen Reich zurechtzufinden, brauchte es ein gewisses Maß an Selbstständigkeit. Zwar versuchten die Briefpartner, sich zu verständigen, wann und wo man sich aufzuhalten gedachte, doch konnte dieser Mechanismus nicht völlig verhindern, dass Boten am Ziel waren, der Empfänger jedoch schon abgereist, oder gar nicht erst dort gewesen war. Ab hier musste sich ein Bote selbstständig zurechtfinden, um den Brief doch noch zuzustellen. Um dies zu gewährleisten setzte man für den Botendienst vorzugsweise gebildete Sklaven und Freigelassene ein. Vornehmlich handelte es sich dabei um griechisches Personal, welches jedoch aufgrund seiner Wertigkeit hohe Anschaffungskosten verursachte. Diese übertrafen gelegentlich die Kosten eines Landguts. Somit konnten sich ausschließlich Senatoren und wohlhabende Ritter überhaupt den Luxus leisten eine regelmäßige Briefkorrespondenz zu führen.


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