Der Herrscher als Träger der Welt

Dies ist ein Beitrag von Timo Lange, Teilnehmer des Projektseminars “Homo Portans”. Er widmet sein Poster dem „Herrscher als Träger der Welt“ und beleuchtet drei unterschiedliche Facetten der Entwicklung eines europäischen Herrschaftszeichens vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit.

 

Herrscher waren in der Weltgeschichte zumeist die Menschen, die wahrscheinlich am wenigsten zu tragen hatten. Nicht selten waren sogar sie es, die sich tragen ließen. Aber auch Herrscher trugen. Sie trugen Gegenstände, die ihre Sonderstellung für jeden nach außen sichtbar machten: Herrschaftszeichen. Schon in der Antike schmückten sich die Könige mit Diademen, Lorbeerkränzen und anderen Zeichen ihrer Macht.

Eines dieser Zeichen war der Globus. Er symbolisierte die Herrschaft über den orbis terrarum, den Erdkreis. In der Antike war er allerdings wahrscheinlich kein tatsächlich getragenes Herrschaftszeichen. Die römischen Kaiser ließen sich aber auf Münzen mit dem Globus in der Hand als Zeichen ihrer Macht darstellen.

Der Herrscher als jemand, dem etwas übertragen wurde

Häufig wurde ihnen mit diesem Zeichen auch Macht „übertragen“. Den Globus übergaben dabei etwa Götter, zum Beispiel Jupiter oder Sol Invictus, die Vorgänger des Kaisers oder zum Beispiel der Senat. Mit der Übergabe durch die Götter übertrug sich auch eine gewisse göttliche Autorität auf die Herrscher, oder besser: Sie wurde von den Herrschern für sich beansprucht.

Die Göttin Roma übergibt den Globus an Kaiser Konstantin I.

Auch als die Herrscher sich vom Heidentum abwendeten, blieb der Globus als Herrschaftszeichen bestehen. Ergänzt wurde er um ein Kreuz, das direkt auf dem Globus abgebildet oder auf dem Globus stehend dargestellt wurde. Damit ging die Religion des Herrschers, das Christentum, in die Herrschaftssymbolik ein. Der Herrscher hatte mit dem Tragen des Kreuzglobus jetzt aber an der Göttlichkeit nicht mehr Anteil, sondern war bloß der menschliche Vertreter eines übermenschlichen, transzendenten Gottes auf Erden.

Im Mittelalter machte der Globus, der aufgrund seiner Form und Ähnlichkeit zum Apfel die Bezeichnung Reichsapfel erhielt, den Sprung vom Bild in die Wirklichkeit. Papst Benedikt VIII. übergab ihn erstmals im Jahre 1014 an Kaiser Heinrich II. Damit übertrug der Pontifex Maximus, wie es in der Antike die Götter bildlich auf den Münzen taten, die Macht über das Reich Gottes an den Herrscher.

Der Globus als Herrschaftssymbol

Der Globus wurde zu einer der Reichinsignien, die der Herrscher bei verschiedenen festgelegten Anlässen trug, oder die zeitweise gar für ihn getragen wurden. Lange Zeit blieb er im Inventar der Herrschaftszeichen des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches. Aber auch Könige des Reiches begannen, den Reichsapfel als Herrschaftssymbol zu tragen. Dies war Zeichen eines Autoritätsverlusts des Kaisers und führte zu einem Bedeutungsverlust des Kreuzglobus als Herrschaftszeichen.

Der Herrscher als Träger einer Vorstellung von der Welt

Queen Elisabeth I. wird auf dem „Armadaportrait“ mit der Hand auf dem (sehr wirklichkeitsnah dargestellten) Globus als Zeichen ihrer Macht dargestellt.

Mit dem Globus, den die Herrscher trugen, war aber noch eine andere Bedeutung verknüpft: eine Vorstellung von der Welt. Bereits in der Antike versuchten die Stempelschneider, zeitweise den Globus in der Hand des Herrschers mit Symbolen zu versehen, die das damalige Bild von der Welt wiedergaben – das Bild von der Welt als Kugel. Vor allem in der künsterlischen Darstellung des Reichsapfels kamen  die Weltbilder der jeweiligen Zeit zum Ausdruck. Je weiter die Erkundung der Welt in der Neuzeit fortschritt, umso realistischer wurde auch die Darstellung des Globus in der Hand des Herrschers.

Der Entwicklung der Bedeutung, der Verwendung und des Aussehens des vom Herrscher getragenen Globus von der Antike bis zur frühen Neuzeit soll im Rahmen des Posters anhand ausgewählter Beispiele nachgegangen werden. Die Fragen sind dabei: Wann wurde der Globus von wem getragen? Wer übertrug den Globus und welche Veränderung der Bedeutung ging damit einher? Welche Vorstellung von der Welt wurde damit getragen?


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