Der Mensch als Kopfschutzträger

Dies ist ein Beitrag von Sebastian Hoffmann, Teilnehmer im Master-Projektseminar “Homo Portans” und wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte, Prof. Dr. Johannes Paulmann, der Uni Mannheim. Im Seminar beschäftigt er sich mit der Bedeutungsvielfalt des Tragens von Feuerwehrhelmen und wird in Dresden ein Poster zu diesem Thema präsentieren. Hier bloggt er über sein Projektvorhaben:

„Bei Gefahr von Kopfverletzungen ist im Feuerwehrdienst ein geeigneter Schutzhelm zu tragen“, besagt das moderne Handbuch der Feuerwehr-Schutzausrüstung. So dient ein Helm wie eine Kappe oder Mütze nicht nur der Dekoration, sondern soll den wichtigsten Körperteil des Menschen, den Kopf, vor äußeren Gefahren schützen. Galt dies bis zum Eintreten in die Zeit der Industrialisierung in erster Linie dem Schutz vor Waffeneinwirkungen, etablierte sich die Nutzung eines Helms in der Folgezeit auch in zahlreichen zivilen Bereichen.

Die Geschichte des Feuerwehrhelms als Spiegel der Zeit

Heutzutage finden sich Helmträger nicht nur auf Baustellen, sondern auch im Verkehr, Sport- und Tauchwesen. Feuerwehrmänner und -frauen soll der Helm in diesem Sinne vor den Gefahren des Einsatzes schützen, wenig überraschend wird er daher auch mitunter als das wertvollste persönliche Ausrüstungsstück der Einsatzkräfte bezeichnet. Der Feuerwehrmann, im Gegensatz zu Polizei und Armee als gemeinhin neutraler Beschützer des Volkes, ist gezwungen sich selbst zu schützen.

Kaier, Arnold: Feuerwehr-Kopfbedeckungen im Wandel der Zeit, Jestetten 2008, S. 52.

Kaier, Arnold: Feuerwehr-Kopfbedeckungen im Wandel der Zeit, Jestetten 2008, S. 52.

Jedoch sind Feuerwehrhelme weitaus mehr als nur schützende Kopfbedeckungen. In der Vielfalt der Materialien, die für ihre Herstellung verwendet werden (Leder, Messing, Aluminium, Stahl, Blech, Kunststoff und Kork) spiegelt sich die Geschichte der Technik wieder. In ihrer dekorativen Ausgestaltung gleichfalls Kulturgeschichte, in den damit zum Ausdruck gebrachten Zugehörigkeiten zur Feuerlöschgemeinschaft Sozialgeschichte. Nicht zu vergessen modische Trends wie Rosshaarschweife und regionalspezifische emotionale Einstellungen. So finden sich im ausgehenden 19. Jahrhundert vermehrt Nachweise von Feuerbekämpfern im süddeutschen Raum, die voller Stolz ihren glänzenden Messinghelm tragen und geradezu mitleidig die „nur“ lederbehelmten Kollegen im norddeutschen Raum belächeln. Somit ist die Feuerschutzkleidung immer auch ein Spiegel der Zeit, schließlich führte man stets die Symbole und Embleme der jeweiligen Ära am Kopf.

Der Feuerwehrhelm als Bedeutungsträger

Bis heute bewegt die Feuerwehrzunft kaum etwas mehr, als die Einführung eines neuen Helmtyps. Neben dem Tragen zum Schutz kommt dem Helm damit eine eminente repräsentative Funktion zu. Ist er doch ein maßgeblicher Teil der Uniform, die die Zugehörigkeit des Feuerwehrmanns zu einer größeren Organisation für jedermann sichtbar macht. Sollte man das Er-tragen des Helmgewichts gemeinhin als Last empfinden, ließe ein mit Stolz getragener Helm auch die Umdeutung zugunsten des Tragens als Belohnung zu. Identifikation war und ist dabei auch stets mit Differenzierung verbunden, schließlich soll sich die Kommandohierarchie innerhalb des Brandbekämpfungswesens auch im schlimmsten Brandgetümmel noch zuverlässig bestimmen lassen. In diesem Sinne ergänzt das passive Tragen des Feuerwehrhelms auch die repräsentative Verantwortung, die der Feuerwehrmann in seiner Funktion als Repräsentant der Feuerwehr mit sich trägt. Im Rahmen des Projektseminars sollen die unterschiedlichen Funktionsebenen des Tragens von Feuerwehrhelmen aufgezeigt werden. Während die Schutzfunktion eines Helms eher wenige Fragen offen lässt, ist es daneben umso interessanter zu beleuchten, wer welche Helme zu welchen Anlässen trägt. Antworten auf diese Fragen ermöglichen neben literarischen Quellen vor allem die zahlreichen Sammlungen von Feuerwehrhelmen in Baden-Württemberg.

 


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