Tragen am Bau

Dies ist ein Beitrag von Christoph Ohlig, Teilnehmer im Master-Projektseminar „Homo Portans“. Mit seinem Poster „Tragen am Bau“ beleuchtet er die Leistung des Tragens und die Belastung auf den Körper über drei Zeitepochen hinweg.

 

Der Mensch trägt seit etwa 5000 Jahren Steine, um große Bauwerke zu errichten. Diese enormen Leistungen wurden erstmals bei den altägyptischen Pyramiden sichtbar, die monumentale Grabstätten für einbalsamierte Pharaonen darstellen und zu den sogenannten sieben Weltwundern der Antike zählen. Noch im Mittelalter wurden bedeutende Gebäude mit der Muskelkraft von Menschen errichtet, auch wenn hier bereits mehr Technik zum Einsatz kam. Im Mittelalter waren es vor allem sakrale Gebäude, die einen hohen Stellenwert einnahmen und daher Berühmtheit erlangten. Ein bedeutendes Gebäude ist beispielsweise der Kölner Dom, der allerdings erst sehr viel später fertiggestellt wurde. In der heutigen Zeit gibt es noch immer den Beruf des Maurers, dessen Job aus dem Tragen und Versetzen von Steinen besteht.

Für die Posterpräsentation werden die verschiedenen Trageleistungen der drei Zeitepochen verglichen. Dabei spielen vor allem die Werkzeuge eine große Rolle, mit denen Menschen Steine transportierten. Diese werden in einigen bildlichen Quellen sichtbar. Zudem sollen die Auswirkungen des Tragens auf die Wirbelsäule und den Körper untersucht werden.

Tragen im Alten Ägypten

Altägyptische Tragestangen

Die größten Pyramidenbauten entstanden im Ägypten des alten und mittleren Reiches. (ca. 2700 bis 1700 v. Chr.). In der späten Phase wurden die Bauten zwar kleiner, jedoch spielte hier die individuelle Trageleistung eine besondere Rolle. Grundsätzlich kannten Ägypter keinen Ausdruck für den Arbeiter. Die wörtliche Übersetzung bedeutet bereits Träger, was die wichtige Rolle des Tragens unterstreicht. Kleinere Pyramidenbauten bestanden vor allem aus weniger massiven Steinen und Ziegeln, die aus dem Schlamm des Nils gewonnen wurden. Für das Tragen verwendeten Ägypter die sogenannten Tragstangen. Diese wurden mit Steinen behangen und die Stange selbst wurde auf den Schultern transportiert.

Mittelalterliche Tragewerkzeuge

Mittelalterliche Mulde

Obwohl im Mittelalter bereits einfache Kräne im Einsatz waren, die schwere Lasten in die Höhe befördern konnten, war das Tragen per Muskelkraft noch ein wichtiger Bestandteil auf Baustellen. Die Geräte zum Tragen von Steinen waren nicht mehr unbedingt nur auf eine Person ausgelegt. Die sogenannte Mulde wurde von zwei Personen getragen, wodurch auch schwerere Steine transportiert werden konnten. Genau wie in Ägypten machte man sich auch im Mittelalter die bessere Lastenverteilung auf der Schulter zunutze und entwickelte den sogenannten Vogel. Dieses Werkzeug beinhaltete ein Brett auf der Schulter, worauf Dinge wie bei einem Regal aufgestellt werden konnten.

Die Auswirkungen des Tragens heute

Mit elektromyografischen Untersuchungen wurden in der jüngsten Zeit die Auswirkungen schwerer Lasten auf die menschliche Muskulatur und die Wirbelsäule analysiert. Hierbei wurde deutlich, dass die Körperhaltung beim Tragen eine große Rolle auf den Wirbeldruck spielt. Noch heute besteht der Beruf des Maurers zu 80 Prozent aus einer gebückten Haltung, was langfristig zu Schäden, wie beispielsweise einem Bandscheibenvorfall führen kann. Mithilfe heutiger Erkenntnisse können auch die Trageleistungen und Körperhaltungen früherer Zeiten beurteilt werden.


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