Vom Ötzi-Rucksack zur Laptoptasche

Dies ist ein Beitrag von Simon Fürst. Er studiert im zweiten Semester an der Universität Mannheim im Studiengang „Master Kultur und Wirtschaft: Geschichte“. Im Rahmen des Projektseminars „Homo Portans“ untersucht er das vielschichtige Thema der Entwicklung der Tragewerkzeuge sowie deren Bedeutungen für den Träger über alle Epochen hinweg.

 

Jeder Mensch besitzt sie in verschiedenen Formen und nutzt sie täglich. Sie werden gefüllt mit jeglichen Gegenständen des alltäglichen Lebens oder mit speziellen Gegenständen für die sie geschaffen wurden. Seit jeher bewegt sich der Mensch von Punkt A zu Punkt B und seitdem hat er auf diesen Reisen auch stets einen Begleiter bei sich, um wichtige Gegenstände mit sich zu führen – die Tasche.

Entwicklungslinien der Tragewerkzeuge

Abbildung eines Mittelalterliches Beutelbuchs

Der Mensch nutzte verschiedenste Formen von Tragwerkzeugen um den Transport der für ihn wichtigen und teils lebensnotwendigen Gegenstände möglich zu machen. Dabei sind zwei Entwicklungslinien zu erkennen, in denen sich zum einen sehr viel änderte, zum anderen allerdings fast nichts. Von der Kraxe, einer Frühform des Rucksacks, die bei der Gletschermumie Ötzi gefunden wurde, über verschiedene Formen von Lederbeuteln im Mittelalter bis hin zur heutigen Handtasche – der Mensch dachte sich verschiedenste Formen aus, um den Zweck des „Beisich-Tragens“ zu erfüllen. Dabei blieben ihr Zweck und die grundlegenden Formen zwar nahezu unverändert, dennoch haben sich die Tragwerkzeuges je nach Bedürfnissen, Zeitalter und modischem Geschmack in ihrer Ausprägung gewandelt.

Die zweite Entwicklung ist durch den Zweck des Tragewerkzeuges gekennzeichnet. Hierbei ist der Zweck form- und funktionsgebend. Als Beispiele sind hierfür die heutige Laptoptasche oder das mittelalterliche Beutelbuch genannt. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang, dass es stets besonders wichtige Medien für den Menschen sind, für die eine eigene Form eines Tragewerkzeugs geschaffen wird.

Aspekte des Themas

Handtasche aus Seidenstoff, ca. 1890, Hessen.

Allerdings ist die Tasche nicht nur Instrument zum physischen Tragen, sondern sie trägt auch andere Werte nach außen. So veränderten sich innerhalb der beiden Entwicklungsstränge die Tragwerkzeuge auch hinsichtlich der aktuellen Moden und sind Ausdruck der Individualität. So kann der modische Ausdruck des Tragwerkzeuges sowohl anzeigen, zu welcher Klasse/Gruppe innerhalb der Gesellschaft die Person gehört, als auch woher die Person kommt und welchem Kulturkreis sie sich zugehörig fühlt. Auch der soziale Rang in der Gesellschaft kann mit ihr kommuniziert werden. Zusätzlich kann die Tasche einen Menschen als Individuum identifizierbar machen. Dabei muss man nur an die Veränderungen an den Taschen von Schülern denken.

Ein weiterer Aspekt ist die Entwicklung der Tasche hinsichtlich der genderspezifischen Bestimmung der Tragwerkzeuge. Gemeinhin gelten Frauen als „die Trägerinnen“ in unserer Gesellschaft. Die Theorie, dass Frauen die Träger schlechthin in der Geschichte der Menschheit sind, lässt sich jedoch nicht beweisen. So scheinen im Mittelalter meist Männer größere Taschen getragen zu haben. Erst ab rund 1800 wurden die weiten Röcke durch enganliegende Kleider in der Mode ersetzt und ermöglichten somit der Handtasche den Aufstieg zu einem „Heiligtum der Weiblichkeit“. Somit ist das Thema „Die Entwicklung der Tragewerkzeuge“ auf verschiedenen Ebenen mit verschiedenen Fragestellungen zu betrachten. Die gesamte Komplexität dieses Themas kann im Rahmen des Projektseminars sicher nicht vollständig erfasst werden. Daher soll versucht werden, die verschiedenen Fragestellungen anhand von ausgewählten „Schlaglichtern“ aus verschiedenen Epochen möglichst genau zu erörtern.


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