Wer darf das Schwert des Herrschers tragen?

Dies ist ein Beitrag von Günter Krüger, Teilnehmer im Master-Projektseminar “Homo Portans” und wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl Neuere Geschichte (Erich Pelzer) der Universität Mannheim. Seinen persönlichen Forschungsschwerpunkten folgend, die insbesondere auf höfische Kultur, Rittertum und Turnierwesen in Spätmittelalter und Früher Neuzeit ausgerichtet sind, beschäftigt er sich im Projektseminar mit dem Zeremoniellen Schwerttragen. In Dresden wird der Masterstudent ein Poster zu diesem Thema präsentieren, einen ersten Einblick in sein Projekt können Sie hier bereits heute gewinnen:

Nur wenigen anderen Objekten wurde in der abendländischen Geschichte eine ähnliche Bedeutsamkeit zuerkannt, wie dem Schwert. Dem Kriegswesen entsprungen, wurde es zum Inbegriff des christlichen ritterlichen Kosmos, das wie kein anderes Symbol zuvor den Ethos einer ganzen Epoche prägte. Doch der Mensch trug das Schwert nicht ausschließlich, um kriegerische Ziele zu verfolgen.

Universelle Bedeutung des Schwerttragens

Der Mensch trug Schwerter aus vielerlei Motiven heraus. Schwerter legitimierten in ihrer Funktion als Investitursymbole Herrschaft und Ansprüche und wurden in ihrer Eigenschaft als Zeichen der Macht zu einem festen zeremoniellen Bestandteil der höfischen Inszenierung. Schwerter waren kultische Insignien, mit denen rituelle Handlungen vollführt wurden, insbesondere bei Krönungen und Staatsakten weltlicher Herrscher. Bei öffentlichen Anlässen wurde das blanke Schwert in der unmittelbaren Nähe des anwesenden Königs gezeigt. Zwar waren auch Krone und Szepter Insignien des Königtums, doch keinem Herrschaftszeichen kam eine so große Bedeutung zu wie dem Schwert. Und das obwohl das Schwert kein ausschließlich königliches Zeichen war, denn das Schwert gründete in einem fundamentalen Teil seiner Sinngebung auf der Rittertradition.

Weltchronik des Otto von Freising, Buchmalerei aus einer Mailänder Handschrift, Bibliotheca Ambrosiana Mailand, Ms. f. 129sup.

Kaiser Otto I. empfängt von König Berengar als Zeichen der Unterwerfung ein Schwert. Ein Gefolgsmann des Kaisers zu seiner rechten trägt ein Schwert mit der Spitze nach oben als Zeichen der kaiserlichen Richtgewalt.

Bei Ritterpromotionen fürstlicher und königlicher Söhne wurde das Schwert des Anwärters auf die Ritterschaft dem Volk öffentlich präsentiert. Schwerter bekräftigten die Mündigkeit eines jugendlichen Herrschers, sie wurden als Symbole der Amtseinsetzung bei der Belehnung mit Ländereien und Übertragung von Befehlsgewalt durch den Herrscher übergeben, konnten aber ebenso bei der Übergabe an den Herrscher zum Zeichen der Unterwerfung unter die Gewalt des Lehensherrn werden. Schwerter wurden getragen, um Amtsgewalt, Stand und Würden anzuzeigen sowie um damit verbunden den Anspruch auf Rechtsgewalt und höchste Gerichtsbarkeit zu betonen. Weltliche Autoritäten wie Kaiser, Könige und Fürsten, aber sogar geistliche Autoritäten, bedienten sich des Schwerttragens um ihre Herrschaftsgewalt, Unabhängigkeit und Macht vor Augen zu führen.

Kulturgeschichte des Schwerttragens

In den wichtigsten Momenten des adligen-höfischen Lebens nahmen getragene und den Zuschauern vorgeführte Schwerter exponierte Plätze ein. Wendet man sich der Frage zu wer in zeremoniellen Handlungen und Feierlichkeiten Schwerter tragen lässt, wird man unweigerlich zu dem Schluss kommen, dass es vornehmlich der Herrscher war, der die Schwertinsignie als Zeichen der Macht öffentlich sichtbar machte – wenngleich das Recht Schwerter tragen und tragen zu lassen weitaus verbreiteter in der ständischen Gesellschaft des Mittelalters war, als man dies zunächst vermuten mag und was in dieser Untersuchung dargelegt werden wird. Im Kontext dessen soll versucht werden, eine Kulturgeschichte des Schwerttragens aufzuzeigen. Nicht die Bedeutung des Schwertes, sondern die Bedeutung des Tragens desselben bildet hierbei das Merkmal des Erkenntnisinteresses. Und wenngleich man die These aufstellen könnte das Schwerter schon immer getragen wurden, beschränkt sich dieser Aufsatz mit einer synchronen Untersuchung – einem Streifzug zwischen Früh- und Spätmittelalter. Hierbei haben sich drei Fragestellungen herauskristallisiert, nämlich: zu welchen Anlässen in dieser Art und Weise Schwerter getragen werden, wer die Schwerter eines anderen trägt und schließlich wer andere Schwerter tragen lässt. Der Untersuchungsgegenstand richtet sich somit vorrangig auf den Bereich der höfischen Inszenierung, weshalb der Blick vor allem auf die Ebene der höfischen Prachtentfaltung gerichtet werden muss, nämlich der herrschenden geistlichen und weltlichen Autoritäten innerhalb der ständischen Gesellschaftspyramide – wobei hier insbesondere das Heilige Römische Reich und England betrachtet werden sollen.


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