Grenzen ausloten

Das Projekt Homo Portans lebt von der Überzeugung, dass Wissenschaft und Kunst sehr viel gemeinsam haben. Unser neues Online-Interviewblog „kunst – werk – wissenschaft“ soll diesen Gemeinsamkeiten ein Forum bieten. Heute bitte Vanessa Wormer Rosmarie Günther um ganz konkrete Aussagen zur Kunst und zu Homo Portans.

The wall Paintings of Thera, Athens 1992, S. 56.

Frau Günther, wann haben Sie zum letzten Mal so richtig geschleppt?

Zum Beispiel heute, meine Lebensmitteleinkäufe. Der weibliche Homo Portans dürfte während der Versorgungsphase einer Familie eine enorme Tagesleistung erbringen.

Ist der Homo Portans nicht meistens völlig unästhetisch?

Das kommt auf die Kontexte an. Wenn Tragen zur Strafe wird, ist die Ästhetik nicht mehr gefragt. Dagegen strahlt zum Beispiel ein Sackträger im Gleichgewicht mit seinem Körper durchaus eine gewisse Ästhetik aus.

Was halten Sie von der Idee über dieses Thema eine Brücke zwischen Wissenschaft und Kunst zu schlagen?

Sehr viel, weil ich grundsätzlich der Meinung bin, dass eine Wissenschaft ohne Bilder im Kopf nicht vermittelt werden kann. Kunst ohne kulturelle Zusammenhänge dagegen wird mir zu subjektiv.

Was haben aus Ihrer Sicht Kunst und Wissenschaft gemeinsam?

Beide wollen Menschen erreichen, wollen spielen (mit Worten, mit Gedanken, mit Farben etc.), wollen Grenzen ausloten.

Was fasziniert Sie als Wissenschaftlerin an Homo Portans?

Hinter Homo Portans steht eine scheinbar schlichte Fragestellung, die sehr schnell sehr komplex wird, wenn man sich darauf einlässt.

Gewicht haben und ‘wichtig sein’ hat in vielen Sprachen gemeinsame Wurzeln. Haben Sie dafür eine intuitive Erklärung?

Vielleicht gehört hierher auch ‘wichtig tun’, ‘sich Gewicht geben’ und dann für leicht befunden werden. Im Ursprung könnte ‘gewichtig sein’ auch ‘wohlgenährt sein’ bedeuten, was ein Ausdruck von Reichtum, Fruchtbarkeit u.a. ist.

Ich habe Sie um Ihr Lieblingsbild zum Homo Portans gebeten. Sie haben das Bild gewählt, weil…

Ich habe ein Bild aus den Wandmalereien von Thera gewählt, eine junge Frau, die in mehrfacher Hinsicht Trägerin ist: Schmuckträgerin, Opfergabenträgerin, Gewandträgerin, Würdenträgerin als Priesterin. Ich habe das Bild gewählt, weil es schön ist, weil es viele historische Aussagen macht und mich durch die Entstehungszeit (1645 v. Chr.) sehr fasziniert.

 

Zur Person: Rosmarie Günther war Akademische Oberrätin am Seminar für Alte Geschichte der Universität Mannheim. Sie beschäftigt sich besonders mit der Geschichte der Frauen in der Antike, der Epigraphik sowie der Geschichte Mannheims und setzt sich für eine enge Verbindung zwischen Schulen und Universitäten ein.


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