Im Tragen ganz Mensch sein

Das Projekt Homo Portans lebt von der Überzeugung, dass Wissenschaft und Kunst sehr viel gemeinsam haben. Unser neues Online-Interviewblog „kunst – werk – wissenschaft“ soll diesen Gemeinsamkeiten ein Forum bieten. Heute bittet Vanessa Wormer Timo Heimerdinger um ganz konkrete Aussagen zur Kunst und zu Homo Portans.

Das Bild weckt Assoziationen zum Homo Ludens.

Wann haben Sie zum letzten Mal so richtig geschleppt?

Heute morgen – Tische und Stühle im Seminarraum.

Ist der Homo Portans nicht meistens völlig unästhetisch?

Ganz im Gegenteil: egal ob er mit Leichtigkeit oder unter Anstrengung trägt. Der Homo Portans ist im Tragen ganz Mensch – und deshalb oft sehr schön.

Was halten Sie von der Idee, über dieses Thema eine Brücke zwischen Wissenschaft und Kunst zu schlagen?

Wissenschaft und Kunst können sich gar nicht oft genug begegnen – denn beide verfolgen ähnliche Ziele.

Was haben aus Ihrer Sicht Kunst und Wissenschaft gemeinsam?

Sie beide suchen nach Wahrheit und einem adäquaten Ausdruck für diese, wenn auch oft auf ganz unterschiedlichen Wegen.

Was fasziniert Sie als Wissenschaftler an Homo Portans?

Seine Allgegenwart, seine Selbstverständlichkeit, seine Vielfalt.

Jäger oder Sammler – Träger oder Gammler? Wohin tendieren Sie?

Als Ethnograph versuche ich, mit dem scharfen Blick des Jägers unterwegs zu sein, aber mit dem großen Beutel und den klaubenden Händen des Sammlers.

Gewicht haben und ‚wichtig sein’ hat in vielen Sprachen gemeinsame Wurzeln. Haben Sie dafür eine intuitive Erklärung?

Gewicht – Masse – Widerstand. Erst in der Erfahrung von Widerstand erlebt der Mensch sich selbst und die Welt.

Ich habe Sie um Ihr Lieblingsbild zum Homo Portans gebeten. Sie haben das Bild gewählt, weil…

…es zeigt, dass homo portans und homo ludens sehr viel gemeinsam haben.

 

Timo Heimerdinger ist Professor für Europäische Ethnologie an der Universität Innsbruck. Im Rahmen von Homo Portans hat er sich mit der Rolle von Tragetüchern in der spätmodernen Gesellschaft beschäftigt.


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