Archiv für die ‘Gastbeiträge’ Kategorie

Blaues Highlight beim Kultursommer

12 März 2012

Der Künstlerin Anja Schindler ist in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Markus Stockhausen ein spektakuläres Kunstwerk gelungen: Gemeinsam setzten sie Kunst in Bewegung – und zwar in einer Trageprozession durch die Straßen von Cochem und Trier. Sie machten Bilder zu Musik und brachten Ideen zum Tragen beim Kultursommer Rheinland-Pfalz.

Damit sorgte Anja Schindler für einen Aufruhr in Blau an der Mosel: Mit den Kindern und Jugendlichen der Jugendkunstschule Klotten färbte sie das schwere Thema in ein leichtes Blau. Sie gab dem Tragen eine Farbe und machte die vielen verschiedenen Facetten des Tragens sichtbar: Hoffnungsträger, Tragisch, Tragen macht schön!, Und was trägst Du?, Wer trägt hat’s leichter! Ist das tragbar?, Tragen verbindet Gott und die Welt, Einer trage des anderen Last – für jeden war ein Motto dabei.

 

Trageprozession in Trier. Foto: Kai Myller

Trageprozession in Trier. Foto: Kai Myller

 

Stockhausen, renommierter Jazztrompeter und Gründer der Internationalen Akademie für Intuitive Musik, komponierte „Fünf Melodien für homo portans für alle tragbaren Melodieinstrumente“. Die Melodien in dorischer, mixolydischer und pentatonischer Tonart (sehr alte, heute oft im Jazz und Blues verwendete Tonarten) gaben Anja Schindlers Trageprozession in Blau eine tragende Basis. Während Stockhausen das Tragen vertonte, gab Schindler dem Tragen Bilder und Farbe. Die Trageprozession in Blau machte in beschwingter Leichtigkeit die Vielschichtigkeit sichtbar und hörbar.

Das Fazit: Tragen stiftet Gemeinschaft. Von hier aus kann die Spurensuche zur Archäologie des Tragens weiter gehen.

 

Homo Portans war ein ausgewähltes Projekt beim diesjährigen Kultursommer Rheinland-Pfalz. Unter der Leitung der Künstlerin Anja Schindler organisierte die Jugendkunstschule Klotten-Kail Trageprozessionen durch Cochem und Trier mit musikalischer Begleitung durch Markus Stockhausen und machte auf das Forschungs- und Kunstprojekt aufmerksam. Ein Rückblick von Annette Kehnel.

Der antike Briefträger

18 Mai 2011

Fabian Brinkmann ist Masterstudent an der Universität Mannheim und Teilnehmer am Projektseminar Homo Portans. Als Aspekt des tragenden Menschen betrachtet er den antiken Briefträger und seine Bedeutung. Hierbei steht im Mittelpunkt, welche besonderen Voraussetzungen und Auswirkungen solch ein eigentlich simpler Vorgang des Tragens mit sich bringen kann. Fabian Brinkmann ist freier Mitarbeiter bei Museum Live, der Wormser Museumspädagogik.

Marcus Tullius Cicero (106 v. Chr. - 43 v. Chr.) hinterließ zahlreiche Briefe voller Informationen über den Briefverkehr.

Der Briefverkehr des Römischen Reiches unterlag im Laufe der Zeit einigen Änderungen, die zum Teil auch durchaus essentieller Natur waren. Trotzdem erhielt sich ein Kern durch die Zeit hinweg: der Diener als Bote, welcher zu Fuß große Strecken bewältigte um private Nachrichten seines Herren zu überbringen. Dieser Diener und seine Tätigkeit wurde uns leider nicht sonderlich oft überliefert. Zur Zeit der späten römischen Republik gewährt uns Cicero mit seinen Briefen ein herausragend genaues Bild des damaligen Briefverkehrs. In der Kaiserzeit nimmt Plinius der Jüngere diese Stellung ein und letztlich die stark kommunizierenden Kirchenväter, allen voran Paulinus von Nola. In diesen drei Momentaufnahmen gibt es signifikante Unterschiede festzustellen, aber auch Konstanten, die sich nach fünfhundert Jahren Briefverkehr immer noch zu behaupten wissen. Durch die Zeit hindurch bot der Briefverkehr immer wieder Prämissen, die den Ausbruch aus der Selbstverständlichkeit erforderten. » Weiterlesen: Der antike Briefträger

Vom Ötzi-Rucksack zur Laptoptasche

17 Mai 2011

Dies ist ein Beitrag von Simon Fürst. Er studiert im zweiten Semester an der Universität Mannheim im Studiengang „Master Kultur und Wirtschaft: Geschichte“. Im Rahmen des Projektseminars „Homo Portans“ untersucht er das vielschichtige Thema der Entwicklung der Tragewerkzeuge sowie deren Bedeutungen für den Träger über alle Epochen hinweg.

 

Jeder Mensch besitzt sie in verschiedenen Formen und nutzt sie täglich. Sie werden gefüllt mit jeglichen Gegenständen des alltäglichen Lebens oder mit speziellen Gegenständen für die sie geschaffen wurden. Seit jeher bewegt sich der Mensch von Punkt A zu Punkt B und seitdem hat er auf diesen Reisen auch stets einen Begleiter bei sich, um wichtige Gegenstände mit sich zu führen – die Tasche. » Weiterlesen: Vom Ötzi-Rucksack zur Laptoptasche

Die Tiara – das zur Schau getragene Selbstverständnis der Kirche

16 Mai 2011

Dies ist ein Beitrag von Nicolas Dvorak. Er studiert im zweiten Semester den Master-Studiengang „Kultur und Wirtschaft: Geschichte“ an der Universität Mannheim. Als Teilnehmer des Projektseminars „Homo Portans“ untersucht Nicolas Dvorak die Papstkrone (Tiara) hinsichtlich ihrer Funktion als Bedeutungsträgerin von göttlich legitimierter Autorität.

 

Pius XII. (1939 - 1958)

Als sichtbare Insignien der Macht verweisen Kronen seit jeher auf die hinter ihnen stehenden, unsichtbaren Systematiken von Autorität, Repräsentation und Legitimation. In erster Linie erfüllen Kronen also keinen Selbstzweck, sondern sie verweisen auf einen weit wichtigeren und größeren Sach- und Bedeutungszusammenhang. Der Träger einer Krone fungiert dabei in vielen Fällen fast ausschließlich nur als Träger eines bestimmten Auftrages, nicht aber als geschmückte Autoritätsperson an sich. Im Kultgegenstand einer Krone materialisieren sich demnach sämtliche immateriellen, Identität-stiftenden Motive einer bestimmten ihr zugehörigen Organisation oder Anhängerschaft. Ein Herrschaftszeichen, auf das dieser Befund mit Sicherheit zutrifft, ist die Tiara – die Krone des Papstes. Deren mützenartige Frühform, das so genannte Phrygium, wurzelt in der altpersischen Symbolwelt und fand wahrscheinlich über das Zeremoniell am byzantinischen Kaiserhof den Zugang nach Rom. Dort nahm die Tiara wohl seit dem achten Jahrhundert ihre eigene Entwicklung an und als außerliturgische Insignie ist sie seit dem Hochmittelalter bei öffentlichen Anlässen bezeugt. Im Jahre 1964 wurde sie schließlich vor dem Hintergrund des reformatorisch orientierten Zweiten Vatikanischen Konzils von Papst Paul VI. abgelegt und seither nicht mehr der Öffentlichkeit gezeigt.

Was aber bedeutete es, wenn der Papst die Tiara trug? Welche Programmatik, welches Selbstverständnis der Kirche wurde dadurch auf seine Person übertragen? » Weiterlesen: Die Tiara – das zur Schau getragene Selbstverständnis der Kirche