Wenn Tragen wie Schweben aussieht

Das Projekt Homo Portans lebt von der Überzeugung, dass Wissenschaft und Kunst sehr viel gemeinsam haben. Unser neues Online-Interviewblog „kunst – werk – wissenschaft“ soll diesen Gemeinsamkeiten ein Forum bieten. Vanessa Wormer bittet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um ganz konkrete Aussagen zur Kunst und zu Homo Portans. Heute ist Arie Hartog an der Reihe.

Tragende Hererofrau von Gerhard Marcks, 1957, Bronze 45,5 cm. Quelle: Gerhard-Marcks-Haus Bremen

Herr Hartog, wann haben Sie zum letzten Mal so richtig geschleppt?
Arie Hartog: Zwischen Weihnachten und Sylvester 2011, als ich alle Bücher aus unserem Arbeitszimmer zuhause umziehen musste. Manchmal bei einem Ausstellungsaufbau.
Ist der Homo Portans nicht meistens völlig unästhetisch?

Arie Hartog: Nein! Der Homo Portans beinhaltet einen starken Verweis auf Körpererfahrung, der bei vielen anderen homo-Darstellungen verloren gegangen ist.

Was haben aus Ihrer Sicht Kunst und Wissenschaft gemeinsam?

Arie Hartog: Sie schaffen Bilder.

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“Wissenschaft braucht Bilder”

Das Projekt Homo Portans lebt von der Überzeugung, dass Wissenschaft und Kunst sehr viel gemeinsam haben. Unser neues Online-Interviewblog „kunst – werk – wissenschaft“ soll diesen Gemeinsamkeiten ein Forum bieten. Vanessa Wormer bittet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um ganz konkrete Aussagen zur Kunst und zu Homo Portans. Sie startet mit der Initiatorin von Homo Portans – Prof. Dr. Annette Kehnel.

Wann haben Sie zum letzten Mal so richtig geschleppt?

Annette Kehnel: Hm, der letzte Umzug liegt schon anderthalb Jahre zurück, da haben wir viel geschleppt. Seither? Vor einigen Wochen auf dem Weg vom Deutschen Historischen Institut in Paris zum Gare de l’Est. Ich hatte Lust zu laufen – es war ein strahlend blauer Februartag – und dann gab mein Rollkoffer seinen Geist auf, dummerweise hatte ich zu viele Bücher mitgenommen und musste richtig schleppen.

Dieser kleine Homo Portans weiß wer er ist, weil er trägt. Seine Last macht ihn wichtig, sie verheißt Genuss, richtet seinen Körper auf, setzt ihn in Bewegung. Foto: Henri Cartier-Bresson / Rue Mouffetard, Paris 1954.

Ist der Homo Portans nicht meistens völlig unästhetisch?

Annette Kehnel: Naja, kommt ganz drauf an. Wenn er Schmuck trägt, ist er doch wunderschön – oder? Mit der Ästhetik einer jungen Frau, die ein kleines Kind trägt, hat das Abendland mehr als 1000 Jahre Kunstgeschichte geschrieben. Der Träger einer Krone – ich glaube er findet sich schön, meinen Sie nicht? Das gilt auch in viel alltäglicheren Zusammenhängen:  Suchen Sie mal nach Bildern zum Slogan „Shoppen macht glücklich“. Sie finden jede Menge schöne, langbeinige junge Frauen, die glücklich und hochzufrieden jede Menge Taschen durch die Shoppingmall tragen. „Tragen macht schön“ – den Eindruck gewinnt man jedenfalls, wenn man diese Bilder sieht.

Was halten Sie von der Idee, über das Thema Homo Portans eine Brücke zwischen Wissenschaft und Kunst zu schlagen?

Annette Kehnel: Sehr viel natürlich! Denn die Wissenschaft braucht Bilder und die Kunst braucht analytische Kreativität. Wer viel weiß, sieht mehr und wer viel sieht, weiß mehr. Und ich wünsche mir, dass die Wissenschaft über diese Brücke bunter und fröhlicher wird – und schöner (auch wenn das altmodisch klingt). » Weiterlesen: “Wissenschaft braucht Bilder”

Video vom Dresden-Trip

Tragen ist zwar selbstverständlich, es kann auch aber völlig ungewöhnlich sein – wie bei der Trageprozession durch Dresden: Schülerinnen des Kunst-Leistungskurs des Evangelischen Kreuzgymnasiums Dresden und Master-Studenten der Uni Mannheim zelebrierten das Tragen, indem sie mit Objekten der Künstlerin Anja Schindler durch Dresden prozessierten. Der Zug sorgte für Aufmerksamkeit – für das Projekt Homo Portans, für die Kunstobjekte und für die Faszination am Tragen.

Das Video zeigt die Trageprozession durch die Dresdner Altstadt und weitere Impressionen vom Symposium “Homo Portans”.

 

Medien über Homo Portans

Einige regionale und überregionale Medien haben über das Projekt Homo Portans und das Dresdner Symposium berichtet:

  • SWR2-Beitrag von Annette Lennartz vom 18. Mai 2011 (Sendung SWR2 Journal am Abend).
  • Deutschlandfunk-Beitrag Barbara Leitner vom 26. Mai 2011 (Sendung “Studiozeit aus Kultur- und Sozialwissenschaften).
  • Hier finden Sie zudem einen Artikel auf der Homepage vom Deutschlandradio.