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Entwicklungsbiologie: der Mensch, ein Tragling, hat das Bedürfnis getragen zu werden

27 September 2010

Der Mensch ist entwicklungsbiologisch ein „Tragling“. Der menschliche Säugling muss nach seiner Geburt das erste Jahr ausschließlich, die ersten drei Lebensjahre überwiegend getragen werden, um zu überleben. Aus dieser entwicklungsbiologischen Tatsache ergeben sich einschlägige Folgen für den erwachsenen Menschen, da in der Traglingsphase wesentliche frühkindliche Prägungen stattfinden. Die Vorstellung, getragen zu werden, bleibt auch für den erwachsenen Menschen unmittelbar verknüpft mit dem Bedürfnis nach Geborgenheit, Zuwendung und Sicherheit. Vermutlich gründet in diesem Zusammenhang die universale menschliche Sehnsucht danach, getragen zu werden. Der Mensch ist einer, der getragen werden möchte, er lässt sich tragen von anderen Menschen, von Pferden, Eseln, Elefanten, in Sänften und Thronen, auf Händen, von den Göttern etc.

Die menschliche „Tragfähigkeit“ wird hier als eine zentrale Kippfigur der menschlichen Kulturgeschichte näher beleuchtet: Der Mensch ist einerseits in der Lage zu tragen, hat aber zugleich das Bedürfnis danach, getragen zu werden, und überdies auch danach, zu tragen – wer trägt, fühlt sich zugleich „belastet“ und sicher oder jedenfalls „nützlich“. Tragen stiftet Sinn.