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Die Tiara – das zur Schau getragene Selbstverständnis der Kirche

16 Mai 2011

Dies ist ein Beitrag von Nicolas Dvorak. Er studiert im zweiten Semester den Master-Studiengang „Kultur und Wirtschaft: Geschichte“ an der Universität Mannheim. Als Teilnehmer des Projektseminars „Homo Portans“ untersucht Nicolas Dvorak die Papstkrone (Tiara) hinsichtlich ihrer Funktion als Bedeutungsträgerin von göttlich legitimierter Autorität.

 

Pius XII. (1939 - 1958)

Als sichtbare Insignien der Macht verweisen Kronen seit jeher auf die hinter ihnen stehenden, unsichtbaren Systematiken von Autorität, Repräsentation und Legitimation. In erster Linie erfüllen Kronen also keinen Selbstzweck, sondern sie verweisen auf einen weit wichtigeren und größeren Sach- und Bedeutungszusammenhang. Der Träger einer Krone fungiert dabei in vielen Fällen fast ausschließlich nur als Träger eines bestimmten Auftrages, nicht aber als geschmückte Autoritätsperson an sich. Im Kultgegenstand einer Krone materialisieren sich demnach sämtliche immateriellen, Identität-stiftenden Motive einer bestimmten ihr zugehörigen Organisation oder Anhängerschaft. Ein Herrschaftszeichen, auf das dieser Befund mit Sicherheit zutrifft, ist die Tiara – die Krone des Papstes. Deren mützenartige Frühform, das so genannte Phrygium, wurzelt in der altpersischen Symbolwelt und fand wahrscheinlich über das Zeremoniell am byzantinischen Kaiserhof den Zugang nach Rom. Dort nahm die Tiara wohl seit dem achten Jahrhundert ihre eigene Entwicklung an und als außerliturgische Insignie ist sie seit dem Hochmittelalter bei öffentlichen Anlässen bezeugt. Im Jahre 1964 wurde sie schließlich vor dem Hintergrund des reformatorisch orientierten Zweiten Vatikanischen Konzils von Papst Paul VI. abgelegt und seither nicht mehr der Öffentlichkeit gezeigt.

Was aber bedeutete es, wenn der Papst die Tiara trug? Welche Programmatik, welches Selbstverständnis der Kirche wurde dadurch auf seine Person übertragen? » Weiterlesen: Die Tiara – das zur Schau getragene Selbstverständnis der Kirche