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Die Venus vom Hohle Fels – als der Homo Portans zu tragen begann

30 November 2010
Die Venus vom Hohlen Fels

Hilde Jensen, Universität Tübingen

War der Mensch zuallererst Schmuckträger?

Urgeschichtliche Funde legen diese Annahme nahe. Zum Beispiel die “Venus vom Hohle Fels” – die Frauenfigur wurde 2008 bei Schelklingen im Achtal (Schwäbische Alb) gefunden und ist eine Sensation: Sie ist nicht nur die älteste Frauenfigur, die wir kennen, sondern weist auch eindeutig eine gut erhaltene Öse auf. Die Venus vom Hohle Fels war also ein Schmuckanhänger und ist weit älter, als alle anderen bekannten Tragegegenstände des Homo Portans. » Weiterlesen: Die Venus vom Hohle Fels – als der Homo Portans zu tragen begann

Ur- und Frühgeschichte: Homo Portans trägt, was ihn schmückt

27 September 2010

Die ältesten Spuren von Dingen, die „vom Menschen getragen“ wurden, deuten nicht auf funktionale Transportleistungen, sondern vielmehr auf das Tragen bestimmter symbolischer Zeichen am menschlichen Körper hin, die man vermutlich zum Schutz oder als Erkennungszeichen trug. Schmuckfunde jedenfalls sind wesentlich älter als Korb- oder Taschenfunde. Der Mensch war also zunächst „Symbolträger“. Natürlich muss hier in Betracht gezogen werden, dass die ältesten Tragbehältnisse aus vergänglichen Materialien gefertigt wurden.

Es gibt so genannten Kleinkunstfunde, z. B. der Hohle Fels bei Schelklingen im Aachtal (Schwäbische Alb), wo durchbohrte Zähne, Fossilien, Schnecken und Muscheln sowie Scheibenperlen und tropfenförmige Anhänger aus Elfenbein gefunden wurden, die als Schmuck oder auf die Kleidung aufgenäht getragen wurden.

Hier ist auch die neu entdeckte “Venus vom Hohlen Fels” sehr interessant.  Es handelt sich bei dieser Venus ganz eindeutig um ein Objekt mit vollständig erhaltener Öse, die das Stück als Anhänger ausweist.

Hier eine Dokumentation von naturevideo über den Fund der “schwäbischen Venus”:

Kulturanthropologie: Homo Portans trägt symbolisch

27 September 2010

Der Mensch trägt, was ihm wichtig und heilig ist. Aus dieser Perspektive wird das Tragen als eine Geste der Ehrerbietung interessant. Menschen tragen die ihnen „heiligen“ Objekte und die Symbole der Ordnungen, die sie geschaffen haben: die heilige Lade in Israel, der Leib Christi in der Fronleichnamsprozession, Heiligenstandbilder.

Die Menschen tragen Gewehre und Orden bei Militärparaden, sie tragen Flaggen, das Volk trägt die Schlüssel des Rathauses im Karneval, Menschen tragen Zeichen der Ehre und Würde zu bestimmten Anlässen. Wer in diesen Kontexten tragen darf, ist ein ganz besonders Ausgezeichneter. Tragen ist ein Privileg.

Der Homo Portans trägt die Zeichen seines Standes wie Orden, Kronen, Bischofsstab.

Hier finden Sie eine kleine Bildergalerie (© Fotos: Wilfried Lieb)