Beiträge getagged ‘Schwäbische Venus’

Homo Portans auf dem Historikertag: ein Rückblick von Annette Kehnel

22 November 2010

Dies ist ein Beitrag von Prof. Dr. Annette Kehnel, Inhaberin des Lehrstuhls für Mittelalterliche Geschichte an der Uni Mannheim. Annette Kehnel hat das Projekt Homo Portans initiiert und das Thema auf dem Berliner Historikertag der Fachwelt präsentiert. Mit etwas zeitlichem Abstand wagt sie nun einen Rückblick auf die Sektion und fasst die Ergebnisse der Vorträge zusammen.

Der 48. Deutsche Historikertag war ein gelungenes Take-Off für das Projekt Homo Portans.

Tragen macht Spaß und die Suche nach Entlastung auch. Ganz besonders kreativ war die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Kunst. Noch bevor der Dresdner Kultursoziologe Karl-Siegbert Rehberg einleitende Anmerkungen zum Thema aus Sicht der philosophischen Anthropologie (Max Scheler, Helmuth Plessner, Arnold Gehlen) an den Grenzen zwischen Natur- und Geisteswissenschaften entfaltete, hatte die Künstlerin Anja Schindler aus Klotten an der Mosel die künstlerische Performance einer Trageprozession orchestriert. Strahlend blaue Tragegestelle, Körbe, Koffer und Mohnblume wurden durch die ehrwürdigen Hallen der Humboldt-Universität zu Berlin getragen – ein Hingucker, Lust auf mehr, Spaß an der gemeinsamen Aktion und Sehnsucht nach Entlastung. » Weiterlesen: Homo Portans auf dem Historikertag: ein Rückblick von Annette Kehnel

Ur- und Frühgeschichte: Homo Portans trägt, was ihn schmückt

27 September 2010

Die ältesten Spuren von Dingen, die „vom Menschen getragen“ wurden, deuten nicht auf funktionale Transportleistungen, sondern vielmehr auf das Tragen bestimmter symbolischer Zeichen am menschlichen Körper hin, die man vermutlich zum Schutz oder als Erkennungszeichen trug. Schmuckfunde jedenfalls sind wesentlich älter als Korb- oder Taschenfunde. Der Mensch war also zunächst „Symbolträger“. Natürlich muss hier in Betracht gezogen werden, dass die ältesten Tragbehältnisse aus vergänglichen Materialien gefertigt wurden.

Es gibt so genannten Kleinkunstfunde, z. B. der Hohle Fels bei Schelklingen im Aachtal (Schwäbische Alb), wo durchbohrte Zähne, Fossilien, Schnecken und Muscheln sowie Scheibenperlen und tropfenförmige Anhänger aus Elfenbein gefunden wurden, die als Schmuck oder auf die Kleidung aufgenäht getragen wurden.

Hier ist auch die neu entdeckte “Venus vom Hohlen Fels” sehr interessant.  Es handelt sich bei dieser Venus ganz eindeutig um ein Objekt mit vollständig erhaltener Öse, die das Stück als Anhänger ausweist.

Hier eine Dokumentation von naturevideo über den Fund der “schwäbischen Venus”: